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Totgesagte rasieren besser!

News & Stories — 06. August 2014
von Matthias Kanter
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Eine Glosse von Matthias Kanter.

Wenn man wieder mal vor den Hervorbringungen der modernen Nassrasur zweifelt und unsicher ist ob 3 Klingen noch ausreichend sind ...

... könnte man die Augen schließen und sich an die feinen Instrumente erinnern, mit denen Vater und Großvater sich noch pflegten.

Einfache Klingen, ein feiner Pinsel, die flache Seifendose und der einfache Rasierapparat.

Da wir froh sind, beim Zahnarzt nicht mehr mit den Geräten der 20iger Jahre bearbeitet zu werden, übertragen wir gern unseren Glauben an Entwicklung und Fortschritt auf alle Dinge, die uns umgeben, ohne dies im Einzelnen zu hinterfragen.

Nun gibt es aber Bereiche, wo dieser genauere Blick wirklich lohnt. Ein Argument der Innovation ist oft die Größe - der moderne Mann will mobil und immer gut rasiert sein. Der Blick auf Opas und unser neustes Rasierset bringt aber wenig Unterschiede zum Vorschein.


Na, dann halt der Preis!

Hier sauber auf 5 Jahre zu rechnen, lässt schon erschauern wie günstig Opa sein Haar entfernte, auch wenn wir heute seinen feinsten Dachshaarpinsel und den besten Hobel für 100 Euro in Rechnung stellen würden.


Dann bleibt nur die Funktion.

Opas Klassikset durch moderne Mehrfachmesser zu ersetzen oder einen klassischen Rasierhobel mit Klingen fein zu justieren, scheint eher eine Frage des Geschicks, als des Resultats. Aber hier liegt der Hase auch nicht im Pfeffer.

Spannend wird es, wenn wir eine gute Rasierseife mit einem edlen Dachshaarpinsel fein aufschäumen und uns dann an das oft hautreizende Sahnesteif unseres modernen Rasieralltags erinnern.

Man muss nicht einmal an die Atmosphäre denken, wenn der kühle Alaunstein schon vollendet, was an sinnlicher Beweisführung längst überzeugt hat.

Dass jedes Einzelne dieser Werkzeuge noch heute in einer individuellen Qualität erworben werden kann, die uns immer glücklich macht, können Ihre so innovativen Nachfahren leider nicht bieten.

Diese immer wieder glückhafte Nutzung eines langjährigen Begleiters wäre schon allein ein Vorzugsgrund. Wenn wir dann noch testen können, wie eine gute Rasierklinge den schnellen Verschleiß ihrer Multimesser-schwestern lächelnd goutiert, braucht es wenige Argumente mehr.

Dramatisch schlecht lassen sich alle modernen Rasierer während der Rasur reinigen. Wer hier nicht einen Kärcher zur Hand hat oder die elektrische Zahnbürste missbrauchen will, kann nur verzweifeln.

Vater drehte da nur leicht auf und wedelte einmal lässig unter den Wasserhahn.

Und noch etwas. Die klassische Nassrasur starb langsam. In ihren letzten Lebensjahren waren verbliebenen Hersteller von Rasierern und Klingen nicht unbedingt 100% kompatibel. Wer in dieser Zeit die Rasur erstmals probierte, hat möglicherweise unnötige Vorurteile.

Die Klingen von Mühle passen exakt zu ihren Rasierern und so ein Team sollte es schon sein.

Wenn langlebige Schönheit also günstiger, mindestens genauso funktional und ökologisch vorteilhaft ist, was spricht dann eigentlich noch für unsere „modernen“ Nassrasursysteme aus gefühlt monatlich wechselnden Komponenten plus Rasierschaumspraydose?

Eventuell nur der Gewinn der Hersteller, weil eine Rasierseife gern ein Jahr reicht und ein guter Pinsel im Zweifel ein halbes Leben?

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Ich bin froh beim Zahnarzt mit neuesten Geräten versorgt zu werden, aber in der Rasur scheint der Moment höchster Innovation schon vor Jahrzehnten erreicht worden zu sein.

Es wäre nicht die erste Branche, die zur Maximierung Ihrer Gewinnabsichten, hinter einmal erreichten Standards zurückfällt.

Es sei auch noch erwähnt, dass sich natürlich auch, für die oft schwierige Suche nach einem Geschenk für den Mann, wirklich feine Möglichkeiten ergeben.

Nichts ist einem guten Geschenk angemessener, als langjährige, immer wiederkehrende Freude an ihm. Spätestens hier sehen alle Hypersupersauberextraglattrasursysteme extrem billig unter dem Weihnachtsbaum aus, auch wenn sie es leider gar nicht waren.

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