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Besuch bei Renate Müller

News & Stories — 02. Februar 2015
von Matthias Kanter
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Eine frühe Erinnerung ist der Streit um ein riesiges Nashorn in meinem Kindergarten in Dessau.
Auf ihm zu sitzen, war ein kleiner Sieg, der sehr genossen wurde.

Als ich selbst Vater wurde, begann ich Ebay mit den Suchbegriffen, Nashorn, Kindergarten und DDR zu füttern, auf der Suche nach dieser Erinnerung.
Herstellungsort und Autor waren schwer zu recherchieren.
Irgendwann fand ich auf einer Website den Namen "Renate Müller" und einen kleinen Hinweis auf einen Jahre zurückliegenden "Tag der offenen Werkstatt" in Sonneberg/ Thüringen. Daneben eine Festnetznummer.

Erst auf ein Fax kam nach einigen Tagen eine freundliche Antwort. Wochen später wanderte ich durch die ostdeutsche Spielzeugstadt mit eigenem Museum zu dieser bedeutenden Tradition. Es war das Jahr 2005 ein warmer Wintertag und Sonneberg war schön verschneit.


In einer hellen Kleinstadtvilla mit weitem Blick ins Tal hatte Renate Müller

ihre kleine Manufaktur eingerichtet.

Gleich nach dem Eintreten schlug mir ein Duft von Holzwolle, Leder und Leim entgegen und die Nachmittagssonne tauchte einen ganzen Tierpark in ein dampfendes Gegenlicht.

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Renate Müller erinnerte mich sofort an meine Mutter und nach wenigen Minuten saßen wir wie alte Bekannte in der Küche und ihre Familiengeschichte wurde zum spannenden Ritt durch die jüngere Vergangenheit.

Dass schon ihr Vater Puppen im Geist der Reformpädagogik bis Amerika exportierte, seine Enteignung und der baldige Tod aber auch der Rechtsstreit mit Ihrer Lehrerin in Schneeberg, die auf Reisen in die Bundesrepublik die Tiere als ihr Design reklamierte, waren Geschichten, die nur so aus Renate Müller sprudelten.

Sie erzählte auch von der verstaatlichten Rupfentierfabrik in der DDR, die sie nicht einmal betreten durfte und von der mühsamen Reprivatisierung nach der Wende, von ihren Spielplatzgestaltungen aus Beton und schweren Holzstämmen, ihren weltweiten Kooperationen für behinderte Kinder und spannenden Workshops am Bauhaus in Dessau.


Auffällig war, dass nicht ein Moment von Verbitterung in dieser Frau zu spüren war. Alles schien richtig und in eine kraftspendende Erfahrung verwandelt. Auch wenn Sie immer wieder deutlich machte, wie wenig sie Geld als Lohn für ihre Arbeit interessierte, so wirkten die Umstände wie eine gesicherte ökonomische Basis, die ihr diesen Idealismus auch erlaubt.


Angesprochen auf den Vertrieb ihrer Tiere, erzählte sie von einigen Schenkungen an Kindergärten im Osten und einer Kunstgalerie in Japan.

Die Sonne verschwand langsam hinter den Bergen als wir in der Werkstatt zu einem ersten privaten Auftrag für meinen Sohn kamen und schon auf der Heimreise war mir klar, dass ich gern etwas dazu beitragen wollte, dass ihr Lebenswerk auch in Deutschland bekannter wird.

Ganz besonders reizte den Sammler in mir die ungewöhnliche Konstellation, dass eine spätere Produktion eines Designklassikers originaler war, als die frühen Tiere aus der DDR Fabrik. Als einziges Problem erschien mir, dass ihre Preise unter den Herstellungskosten bleiben sollten, damit nicht nur Besserverdienende sich ihre Tiere leisten können.


Dieser Besuch sollte nicht der letzte bleiben und mit Formost entschieden wir uns, nicht ohne Grund, für ihr Nilpferd als Maskottchen.

Als einziger Händler in Deutschland begleiteten wir über Jahre die Presse, um auf diese wunderbare Frau aufmerksam zu machen und freuen uns heute mit ihr über die weltweite Anerkennung dieser Pionierin auf dem Gebiet des therapeutischen Spielzeugs.


Längst bestimmen internationale Sammler die Preise für Tiere von Renate Müller, dies wird sie so lange sie lebt mit Schenkungen ausgleichen.

Was dann aus diesen Tieren wird, ist trotz all unserer Bemühungen noch offen. Sie selbst glaubt nicht daran, dass jemand außerhalb ihrer Familie bereit ist, den nötigen Idealismus aufzubringen, die Tiere genau in Ihrer Qualität zu fertigen.

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