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Der Parfümkritiker

News & Stories — 29. Juni 2018
von Matthias Kanter
Vor vielen Jahren schrieb ein gewisser Luca Turin wöchentlich in der NZZ eine Kolumne zu Düften. Seine "Duftnoten" finden sich bis heute in den Tiefen des Web als wunderbar poetische Texte, denen das Wunder gelingt mit Worten schwer Fassbares überzeugend zu fassen. Als Maler weiß ich, wie selten das Glück ist, jemanden zu finden, der Worte hat für Dinge wie Bilder oder Musik, die wirklich Wesentliches berühren. Luca Turin, Parfümkritiker, hat über Jahre eine Sprache für Düfte entwickelt und schickte sich an, eine ganze Industrie und ihre Spielregeln in Frage zu stellen.

Schon nach den ersten Kritiken wurde er an feinste Adressen geladen, um ihn zur Kooperation zu "bitten", aber er entschied sich für eine kleine Revolution und fand Verbündete und Gehör bei den Kunden.


Was war passiert? Die Komposition eines Duftes war einmal eine Kunst. Es ging um die kreative Komposition wertvoller Grundstoffe und nicht wenige große Luxusmarken begründeten ihren Ruf auf diesen Leistungen großer Parfümeure. Mit dem zunehmenden Wohlstand wuchs die Nachfrage und eine Industrie entwickelte sich, wie sie sich halt entwickelt, wenn eine Spitzenleistung massentauglich zum Millionengeschäft gemacht wird.


Wenn das größte Marketingbudget entscheidet, was der Kunde kauft und die Gier unersättlich wird, schaut man lieber nicht mehr, was am Ende in den Fläschchen ist. Gesundheitlich Bedenkliches eingeschlossen. Und dann kommt da ein einsamer Kritiker, so wortgewaltig, dass sein erster Parfümführer für fast alle Hersteller mit genauen Bewertungen manchen Kaiser ganz nackt aussehen ließ.


Seitdem ist viel passiert, und es sind viele wirklich positive Entwicklungen im Bereich der edlen Düfte zu beobachten. Nicht nur der Trend zu Naturstoffen hat neuen Schwung in eine alte Branche gebracht, sondern auch die wirklich kreativen Künstler, die jemand wie Luca Turin benannte, sind von Nischenherstellern in manche Kette vorgedrungen.


Trotzdem wird täglich noch viel versprüht, was den Namen Parfüm nicht verdient und im besten Fall nicht schadet weil die EU die schlimmsten Giftstoffe nach und nach verbietet. Dass dabei auch edle Naturstoffe auf der Strecke bleiben und wir vielleicht irgendwann Knoblauch, Kamille, Tonkabohne, Zimt oder Weihrauch mit Beipackzettel in der Apotheke kaufen müssen, zeigt diese absurden Bewegungen von einem Extrem ins das Andere.


Seit den Texten von Luca Turin begleitet mich die Beschäftigung mit den Kunstwerken der Parfümeure. Manches was ich schätze kann ich nur an Tagen tragen, an denen ich ganz allein bin und die meisten Klassiker für meinen Alltag sind der Kompromiss aus dem, was mir gefällt und meine Partnerin erträgt. Soweit so normal.


Als wir nun für FORMOST eine kleine Auswahl treffen wollten, wendete ich mich mit meiner Vorauswahl an einen Freund mit einem feinen Magazin für gute Düfte. Er bestätigt grundsätzlich die Qualität der genannten Düfte, fand sie aber allesamt zu verbreitet für unser Sortiment. Sein Vorschlag waren 3 exzellente Parfümeure aus Hamburg, Paris und Berlin, deren Kollektion unseren höchsten Ansprüchen gerecht wird und die wirklich noch ein Geheimtipp sind.


Wir haben uns geradezu spontan für Marie Le Febvre mit Urban Scent entschieden und können Sie nur einladen ihre ersten 6 Kunstwerke in unserem Laden zu testen. Mein Wortschatz wäre hier zu begrenzt aber ich bin völlig überzeugt.

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