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Demut oder Werksdesign
News & Stories — 29. Januar 2016
von Matthias Kanter
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Wenn ich wählen dürfte zwischen dem, der etwas Gutes einfach tut, und dem der zusätzlich darüber redet, würde ich mich für den Ersteren entscheiden. Den Unterschied nannte man mal Bescheidenheit oder Demut.

Beide Begriffe sind etwas in Vergessenheit geraten, da es ja heute die falsche Bescheidenheit gibt und den Zwang sich möglichst gut zu verkaufen. Ein Designobjekt ohne Designer existiert praktisch nicht im Markt und auch Ebay und Google tun sich schwer damit.


Demut scheint also der Dummheit näher zu rücken. Wenn ich mal positive Energie tanken möchte, gebe ich Begriffe wie "Eigenbau" in die Suche und erfreue mich an den Ergebnissen. Wenn ich nach echter Individualität und menschlicher Kreativität suche, schaue ich dort, wo der Mensch noch Hand anlegt. Da kann die freigewachsene, gebastelte, polnische Kleingartensparte den Fotografen mehr inspirieren, als das preisgekrönte Architekturobjekt.

Der Mensch gestaltet seit Jahrtausenden seine Umgebung.Warum sollte sich das, bloß weil es seit 100 Jahren eine Gestaltungshilfsindustrie gibt, verändert haben. Wird eine Umgebung individueller weil wir Ratgeberzeitungen oder Innenarchitekten bemühen, uns markenbewußt zu inszenieren?


Handschrift enthält nicht umsonst das Wort Hand und ist auch im Zeitalter der Digitalisierung unangefochtener Ausdruck höchster Individualität. Es ist leicht verständlich, warum die letzten Jahrzehnte die Dinge so verändert haben, wie wir sie vorfinden. Das heißt aber nicht, das dies so bleibt.


Jede Generation setzt Gewichte neu und kann auch korrigierend verändern. Eine Reise nach Japan hat mich staunen lassen, wie eine Hochindustrialisierte alte Kultur wieder die Langsamkeit, Achtsamkeit und Handarbeit entdeckt hat in den letzten 15Jahren. Nicht jeder Mensch mit Gestaltungswillen und Kraft ist auch eine Rampensau. Mancher schenkt leise und anonym, mancher nur vor laufenden Kameras.


Laßt uns bei einem Begriff wie "Werksdesign " wieder an edle Demut und echte Bescheidenheit denken. Wenn diese Eigenschaften wieder geachteter Teil unserer Kultur werden, bin ich guter Dinge, dass etwas repariert werden kann, was noch nie in einer Hochkultur als Qualitätsmerkmal übersehen wurde.

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