·Alle·

Produktpartisanen

News & Stories — 24. Februar 2015
von Matthias Kanter
untergrund_partisanen_formost.jpg
Wie trinkt man seinen Vodka richtig? Partisan gibt eine kurze Einführung für den geehrten Vodkatrinker.
Der Untergrundkämpfer hat oft eine mythische Verklärung nach gesellschaftlichen Umbrüchen erlebt. Der "Partisan" elektrisiert immer wieder junge Menschen für eine Idee der Revolte. Dass ein paar Freunde in Thüringen ihren Wodka so nennen wollten, war nicht so oberflächlich gedacht, wie man meinen würde.

Alle Beteiligten sind aus der Generation, in der das Ende der Kindheit mit dem Beginn der Marktwirtschaft zusammenfiel. Man reagierte, testete, probierte und stolperte fast unvorbereitet in verschiedene Bereiche, suchte nach der Kombination von Beruf und Berufung und war 15 Jahre später wirtschaftlich sehr erfolgreich. Angefüllt mit Erfahrungen und ökonomisch stabilisiert, wuchs der Wunsch der Freunde gemeinsam eine Firma zu gründen, die Idealismus und künstlerisches Konzept mit einer ethisch sauberen Marke realisiert.

Wanderungen in Russland hatten feine selbstgebrannte Wodkas zum beliebten Mitbringsel gemacht und verwundert stellte man nach einer Analyse des europäischen Spirituosenmarktes eine Fehlstelle fest.

Der echt russische Wodka kam mehrheitlich aus Italien und Monopolisten agierten eher mit Marketingbudget als Qualität.

Es schien den Versuch wert einen "Untergrundkampf" aufzunehmen und den Partisan zu gründen. Alles sollte hinterfragt und verbessert werden.

Als erstes musste der "beste" russische Wodka gefunden werden.

In Russland hält sich seit langem der Mythos, dass dieser aus Weißrussland kommt und so wurden auch die Thüringer Partisanen dort fündig. Echte Partisanen können natürlich nicht nur die Qualität als "Waffe" benutzen und so ging es an eine Kalkulation, die der Idee würdig war.


Parameter wie Zoll und Schnapssteuer wollte man partisanuntypisch akzeptieren, aber an der Idee des Gewinns sollte die zweite Partisanidee sichtbar werden.
Der beste Wodka sollte mit einem "Kampfpreis" den Markt erobern und dafür auf ein Marketingbudget verzichten.

Als dritte Idee kam natürlich der Markenauftritt in den Fokus. Die Freunde hatten Erfahrungen und Kontakte zur Streetart und schnell waren Mitpartisanen gefunden, die als Partner statt als Auftragsnehmer das Cooperate Design entwickelten. Allesamt Netzwerker, war jetzt der Tag nicht mehr fern, den Untergrundkampf zu beginnen.

In sozialen Netzwerken, bei Konzerten, mit befreundeten Gastronomen und kleinen Getränkehändlern verbreitete sich die Partisanidee. Alle vertrauten darauf, dass die Qualität allein die Marktführer in Frage stellt und der Preis unschlagbar ist.

Jeder der einmal Partisan kennengelernt hat, könnte so zum Kampfgefährten werden und durch seine Nachfrage Getränkegroßhandel und Monopolstrukturen in der Gastronomie erschüttern.

Ich selbst habe die Angst in den Augen eines Hamburger Gastronomen gesehen. Pure Sorgen, dass noch mehr Kunden nach Partisan fragen, da sein Club von einer großen Wodkamarke mit Mindestabnahmemengen finanziert war. Dazu muss man wissen, dass der meiste Wodka via Mixgetränke verkonsumiert wird. Hier besteht für die Marktführer wenig Gefahr. Schwieriger wird die Lage durch die neue Mode der Purtrinker. Spätestens wenn der Wodka nicht mehr aus dem Eisfach kommt, um ihn im Qualitätstest gegen Partisan antreten zu lassen, wird es "gefährlich".

Partisan ist eine selten reine "Luxqualität" die zwar auch die Marktführer anbieten, aber selten unter 30 Euro. Wenn Sie so teure Wodkas noch nicht gesehen haben, wissen sie was im europäischen Handel als "bester" Wodka angeboten wird. Nur durch Verzicht auf Marketingbudget, Gastronomen-bestechung und Gewinn gelingt es dem Partisan, seine schärfste Waffe (Preis/Leistung) erfolgreich einzusetzen.

Eine andere Besonderheit ist die Unterstützung der Partisanen durch die Händler. Partisan ist so knapp kalkuliert, dass alle Beteiligten eigentlich nicht mal ihren Aufwand entschädigen können.Wer Partisan trotzdem handelt, ist also Verbündeter oder wurde von der Kundschaft sanft genötigt. Regelmäßig berichtet das Gründerteam, wie eventuell doch auftretende Gewinne in soziale und künstlerische Projekte vollständig investiert werden.

Etappensieg


Einige Jahre dauerte nun der Partisanenkampf auf dem Wodkamarkt. Lange ist Partisan kein Geheimtipp mehr und das Händlernetzwerk wächst täglich. Die Idee, der ethische sauberen Marke, wurde kein idealistischer Rohrkrepierer und nichts wird in unserem Ladengeschäft täglich mehr verkauft als Partisan.

Das ist noch keine Revolution und auch kein Sieg der Partisanen, aber ein gutes Beispiel, wie Ideen unsere Welt verändern können. Da wir nicht nur von Wodka leben, bräuchten wir noch in vielen Produktgruppen Partisanen, die scheinbar in Stein gemeißelte Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft hinterfragen. Sich einzig an der Qualität eines Produktes zu orientieren, bleibt visionär und Formost möchte weiteren Produktpartisanen Partner werden.

Um so besser die Idee, desto größer ist unsere Unterstützungsbereitschaft - auch über die Grenzen der kaufmännischen Vernunft.

·Alle·

Passende News & Stories

alle anzeigen
Bitte warten