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Nachhaltigkeit versus Schönheit und Qualität

News & Stories — 23. Februar 2016
von Matthias Kanter
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Wenige Begriffe bestimmen den Diskurs Anfang des 21. Jahrhunderts im satten Teil der Welt so sehr wie der der "Nachhaltigkeit".

Das ganze Unbehagen, das wir im Angesicht unseres Lebensstils für die Umwelt und die nächsten Generationen fühlen, scheint hier einen Lösungsansatz zu finden. Gern greifen wir zu den "Ablassbriefen" unter diesem Oberbegriff, um temporären Gewissensschüben den scharfen Beigeschmack zu nehmen.


Zum ersten Mal hörte ich in einem Vortrag von Prof. Dr. Michael Braungart eine substanzielle Kritik an dem Begriff der Nachhaltigkeit, verbunden mit einem flammenden Plädoyer für Qualität und Schönheit. Als Künstler hat man mit der Idee der Schönheit und Einfachheit reichlich Praxiserfahrung, sind es doch die historischen "Wanderwege" des Denkens. Und auch die Idee der Qualität ist für den Künstler eine substanzielle Erfahrung.


Nachhaltigkeit dagegen ist blass, leblos abstrakt und irgendwie beliebig. Irgendeine Selbstverständlichkeit drückt es aus, aber eigentlich hatte ich diese nie weiter hinterfragt. Nun bin ich ein unbedingter Fan von einem Denken, das sich von den persönlichen Erfahrungen speist: Und jedes Argument, das einer aus dem Kosmos seiner persönlichen Kompetenz in Beziehung zum überkomplexen Weltgeschehen erdet, interessiert mich mehr als akademische Diskussionen oder repetierte Journalien.


Mein Nachbar, der Schafzüchter, hat vielleicht eine konkrete Nachhaltigkeitserfahrung, aber alles was seine Lebenspraxis ausmacht, ist selbstverständliche Nachhaltigkeit, die diesen Begriff gar nicht braucht.


Die, die ihn benutzen, suggerieren beispielsweise sinnvolle Wertstoffkreisläufe, die keiner genaueren Betrachtung standhalten. Das Cradle-to-Cradle Konzept von Michael Braungart hat mich elektrisiert, da er im Denken ansetzt. Nachhaltigkeit empfindet er eher als ideologisches Missverständnis und verweist auf eine verschwenderische Natur, die Nachhaltigkeit gar nicht kennt. Im zugrundeliegenden Ansatz geht er von einer Materialgesundheit aus, die kategorisiert den Produkten zugeordnet wird. Je nachdem, wie schädlich ein Inhaltsstoff ist, wird er eingeordnet und macht damit das gesamte Produkt transparenter. Ist dies ein erster Schritt, sich der temporären Gewissensbisse zu entledigen und sich hin zu bewussterem Konsumverhalten zu entwickeln?


Was Braungart mit Qualität und Schönheit an Zukunftspotenzial verbindet, kann ich sofort nachvollziehen und mit meiner eigenen Praxis überprüfen. Scheinbar gilt die alte These noch, dass das Rettende dort wächst, wo die Gefahr gedeiht. Dass wir uns dabei nicht ausschließlich auf die vernünftigen 5% der "satten Welt" und Ihre Moral verlassen müssen, macht die Ideen geradezu revolutionär und gern führt Herr Baumgartner auch äußerst unterhaltsam in seine Überlegungen ein.


Ein Vortrag bei YouTube unter dem Titel "Wir sind nicht zu Viele, wir sind bloß zu blöd" sei hiermit noch einmal ausdrücklich empfohlen. Formost wird diese Idee intensiv begleiten und verfügbare Produkte prüfen und hat mit Backhausen und Trigema schon zwei Pioniere im Programm. Der Qualität und Schönheit ist unsere Idee im Grundansatz sowieso verpflichtet, und wir freuen uns über die Ermutigung diese Idee weiterzuentwickeln.

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