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EDU-TOY

News & Stories — 12. Juni 2015
von Matthias Kanter
Auf Messen freuen sich Spielzeughersteller über Gäste aus Asien. Dass besonders hochwertige Holzspielzeuge sich in Japan und Südkorea seit Jahren gut verkaufen, ist aber nicht der einzige Grund. Die Freude am Spielen lässt jeden Messestand zum Spielplatz werden, wo Europäer schnell zu Zaungästen werden. Etwas, dass man nicht kennt, sofort auszuprobieren und besondere feinmotorische und logische Fähigkeiten, sind aber weniger genetisch bedingt als Erziehungskultur. Der "Kugelbahnpapst" Gerd Kaden aus dem Erzgebirge entwirft Kugelbahnwelten für Südkoreanische Freizeitparks in denen Familien spielen und dafür Eintritt zahlen. Sämtliche Spielzeuge, die wir mit "Spiel gut" oder anderen Auszeichnungen als besonders wertvoll für die Bildung erkennen, finden Ihren Weg leichter zu Kindern in Japan, als in einen deutschen Kindergarten. Was ist passiert? War es nicht Friedrich Fröbel, der vom Erzgebirge die Idee des lehrreichen Spiels in die Welt trug?
Es waren die 80iger Jahre des letzen Jahrhunderts.
Auch die reiche Kultur Japans hatte im Kontakt zu vielen Traditionen Brüche und japanische Kinder versanken eher als andere in der Welt in elektronische Plastewelten.

Eine Japanerin studierte damals in Deutschland und entdeckte die wunderbare Kultur des Lernspielzeugs im alten Europa. Aus Sorge, die jüngste Generation könnten langfristige Bildungsnachteile gegenüber den Europäern erleiden, begann Ihre Lobbyarbeit für gutes Spielzeug in Japan. Von einem kleinen Laden in Tokio wurde Sie zur wichtigsten Händlerin für Qualitätsspielzeug in Japan. Das wäre nur eine erfolgreiche Firmengeschichte, wenn Sie nicht auch einen tiefgreifenden Kulturwandel ausgelöst hätte.

Zuerst brachte Nikitiki hochwertige Lernspielzeuge mit Hilfe der Erziehungswissenschaft in Japans Kindergärten. Später forschten auch Mathematikstudenten an Spielzeugentwürfen der Firma Naef und Demenzforscher entdeckten die therapeutische Wirkung verschiedener Spiele.

Die Idee des EDU-TOYS (Lernen-Spielen) für alle Generationen kam über die Forschung in die japanische Gesellschaft. Da Japanern jeder Bildungsvorteil auch Geld wert ist, wurde immer auch höchste Qualitätsfertigung nachgefragt und heute würden viele europäische Hersteller ohne den japanischen Markt nicht mehr existieren. Dabei war für die Japaner die Entdeckung einer alten Europäischen Kultur immer zentral.
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Wie groß ist heute die Verwunderung, wenn die für Sie führenden Hersteller in deutschen Spielzeuggeschäften nicht mehr zu finden sind.
Da es (fast) nur einer Frau bedurfte unsere Kultur in Japan zu etablieren und weiterzuentwickeln, können wir optimistisch bleiben.
Spätestens seit die Chinesen das Thema für die Bildung entdeckt haben, darf im alten Europa auch der gefürchtete "Bildungsnachteil" fördernd wirken.


Dass gerade in der Gegenwart die Elektronik massiv motorische Fähigkeiten verkümmern läßt und wir nicht die Gehirnforschung bemühen müssen, um zu verstehen, was das für unsere Kinder bedeutet, liefert weitere Argumente.

Da niemand absichtlich seinen Kindern schlechtes Spielzeug gibt, möchte Formost gern ein Teil einer aktuellen Aufklärungsdebatte sein. Mit Hilfe der Japaner können wir unsere eigene Kultur so wirklich neu entdecken.
Das erste Hochschulstudium für Spielmittelgestaltung gab es weltweit übrigens an der Burg Giebichenstein in Halle ab 1965.

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